Saskia Geweke

Im Schnelldurchgang auf die DFB-Liste

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Die Holler Schiedsrichterin Saskia Geweke hat einen steilen Aufstieg hinter sich – und darf nun in der Frauen-Bundesliga ran

Saskia Geweke vom SV Rot-Weiß Wohldenberg ist rundum zufrieden, selbstbewusst und an ihrem Ziel angekommen. „Die vergangenen Monate und Wochen waren recht turbulent“, sagt sie. Aber der Verzicht auf viele Stunden Freizeit hat sich gelohnt, denn Saskia hat eine rasante Schiedsrichterkarriere absolviert. Nun hat sie die letzte Hürde genommen und steht auf der Schiedsrichterliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Sie darf nun Spiele in der 2. Frauen-Bundesliga leiten – zusammen mit den Assistentinnen Kim-Laura Lemke (DJK Blau-Weiß Hildesheim) und Sina Kühn (HSC Hannover). In der 1. Frauen-Bundesliga gehört sie als Schiedsrichter-Assistentin zum festen Gespann von Sina Diekmann. Außerdem kann die Hollerin als Assistentin in der Herren-Regionalliga eingesetzt werden.

Saskia Geweke
Stolz trägt Saskia Geweke vom SV Rot-Weiß Wohldenberg das DFB-Emblem auf ihrem Schiri-Trikot. 
Die 23-Jährige steckt voller Energie und Ehrgeiz. Neben dem Studium in Göttingen macht sie im Fußball Karriere.

Einige Highlights hat sie schon hinter sich. So leitete sie ein Freundschaftsspiel zwischen dem Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg und dem Herforder SV, zudem war sie Assistentin bei der Partie VfL Wolfsburg gegen Enschede. Aufgrund ihrer guten Leistungen in der letzten Fußball-Saison wurde die 23-Jährige beim Lehrgang des Norddeutschen Fußballverbandes (NFV) in Barnstorf als Zweitliga-Schiedsrichterin nominiert. Daraufhin konnte sie am DFB-Lehrgang in Altensteig (Baden-Württemberg) teilnehmen, um dort ihre Regelkenntnis und Fitness nochmals unter Beweis zu stellen. Lehrgangsleiterin war Carolin Rudolph von der DFB-Schiedsrichterkommission. Zum Kompetenzteams gehörten unter anderem die ehemaligen Bundesliga-Referees Lutz Wagner und Wolfgang Mierswa. „Ich war schon ein bisschen nervös“, gibt Saskia zu, aber sie bestand alle Prüfungen mit Bravour. Zunächst hatte sie bei der HSG Holle Handball gespielt, aber durch ihren Bruder und ihren Vater wurde die Begeisterung für den Fußball geweckt. Sie kickte im Wohldenberger Mädchenteam. Doch das reichte ihr nicht: „Ich brauchte eine neue Herausforderung. Als Schiedsrichterin wollte ich Fußball aus einem anderen Blickwinkel sehen.“

Ohne die Unterstützung und den „Fahrdienst“ ihrer Eltern wäre das allerdings nicht gegangen. Aber die Gewekes sind eine fußball-verrückte Familie. Ein rasanter Aufstieg war die Folge. Mit 17 Jahren leitete Saskia ihre ersten Herrenspiele. „Das war ziemlich aufregend. Durch die Praxis und die Besprechungen mit den Beobachtern habe ich gelernt, mich und meine Leistung zu reflektieren. Man lernt, mit Kritik umzugehen. Mit der Zeit wurde ich immer sicherer, konnte meine Entscheidungen besser durchsetzen und bin selbstbewusster geworden“, berichtet sie.

Bald folgten die ersten Spiele in der Frauen-Oberliga. Ihrem Bruder assistierte sie an der Linie in der Bezirksliga Hannover. Eine Saison darauf gelang der eigene Aufstieg als Schiedsrichterin in die Bezirksliga Hannover und die Regionalliga Nord der Frauen. Mit dem Aufstieg wurden auch die Anforderungen höher. „Es ging nun auch um Kleinigkeiten, die im Gesamtbild einer guten Leistung wichtig sind“, berichtet Saskia. Sie erweiterte ihren Horizont und ging nach der ersten Bezirksligasaison für ein Jahr nach Australien und Neuseeland. Nach der Rückkehr folgte der Durchmarsch in die Frauen-Bundesliga. 2012 wurde Saskia neben 20 weiteren Schiedsrichterinnen aus Deutschland in die Sportschule nach Duisburg zu zwei mehrtägigen Länderpokalturnieren eingeladen. Im November 2013 erreichte sie ein weiteres Ziel: Sie wurde als Linienrichterin bei der Erstliga-Begegnung Bayern München gegen FF USV Jena eingesetzt.

Ihr Pensum hat es weiterhin in sich: Saskia studiert an der Universität in Göttingen im fünften Semester Sport und VWL im Doppel mit dem Abschluss Bachelor. Trotzdem pfeift sie für den Kreis Hildesheim und fährt fast jedes Wochenende nach Hause, um von dort aus zu den Spielen zu starten. „Das funktioniert einwandfrei, da meine ganze Familie mithilft“, sagt sie. Nach den Spielen wird zu Hause eifrig mit Bruder Moritz und Vater Rainer über die Leistungen diskutiert. „Das ist wichtig für mich“, sagt die Sottrumerin. Wer weiß: Vielleicht sieht man sie bald wie Bibiana Steinhaus sogar in der 1. Bundesliga der Männer. Die ganz große Bühne in München oder Dortmund – das wäre ein Traum.

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