Heiße Premiere für Felix Brych

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Beim überraschenden 3:1 von Costa Rica gegen Uruguay hat das deutsche Team knifflige Situationen zu meistern
Fortaleza/Hamburg. Eigentlich reicht der Druck für einen Schiedsrichter, wenn man zu einem Spiel bei einer Fußball-Weltmeisterschaft angesetzt wird. Für Felix Brych kommt vor dem Anpfiff in Fortaleza der Partie Uruguay gegen Costa Rica (1:3) noch weiterer Druck hinzu: Es ist die WM-Premiere des 38-jährigen Juristen aus München und seiner Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp.
Gute WM-Premiere: Felix Brych, Mark Borsch und Stefan Lupp vor dem Anpfiff in Fortaleza. Foto: dpa
© RedaktionGute WM-Premiere: Felix Brych, Mark Borsch und Stefan Lupp vor dem Anpfiff in Fortaleza. Foto: dpa

Außerdem schauen aufgrund der von Teilen der Medien ziemlich aufgebauschten Schiedsrichter-Schelte alle Spieler, Trainer, Offizielle und Fans doppelt kritisch auf jede einzelne Entscheidung.

Trotz dieser undankbaren und schwierigen Voraussetzungen, garniert mit heißen Temperaturen und höchster Luftfeuchtigkeit, machen Felix Brych, Mark Borsch und Stefan Lupp ihre Sache richtig gut. In einer nicht einfach zu leitenden Partie mit zahlreichen kniffligen Szenen liegt das Team in den entscheidenden Situationen goldrichtig: 10. Minute, korrekt das Stürmerfoul von Costa Ricas Oscar Duarte gegen Uruguays Diego Lugano erkannt; 15. Minute, Abseits von Diego Godin, gut geguckt von Stefan Lupp, kein Tor für Uruguay.

Ein spielprägendes Foul passiert in der 23. Minute: Costa Ricas Junior Diaz hält den enteilenden Diego Lugano mit einem kurzen Klammergriff im Strafraum. Felix Brych entgeht dieses versteckte Vergehen, auch aufgrund seines guten Stellungsspiels, nicht und entscheidet korrekt auf Strafstoß. Dass der deutsche FIFA-Referee hier die fällige Gelbe Karte vergisst (keine Notbremse, aber unsportliches Halten), wird ihm die Schiedsrichter-Kommission verzeihen.

Brych agiert insgesamt in den ersten 45 Minuten eher großzügig, was die persönlichen Strafen (also die Karten) angeht – das kann man so machen, muss man nicht. Am Ende geht die klare und berechenbare Linie des Unparteiischen aber voll und ganz auf, und das spricht für den Schiedsrichter.

In der 57. diskutiert der eine oder andere „TV-Experte“ tatsächlich, ob beim 2:1 für Costa Rica durch Oscar Duarte nicht eine hauchdünne Abseitsposition vorgelegen haben könnte – und braucht dafür 39 Slow Motions, um dann zum Ergebnis zu kommen, dass das immer noch nicht so klar sei (soweit zur Nützlichkeit von Videobeweisen). Im Zweifel soll ohnehin für den Stürmer entschieden werden, insofern hat Assistent Stefan Lupp alles richtig gemacht.

In der 80. Minuten kassiert Uruguays Martin Caceres nach seiner Grätsche gegen Costa Ricas Cristian Gamboa den gelben Karton. Diese Karte ist gerade noch so gerechtfertigt, da der Ball noch in Spielnähe ist. In anderen Begegnungen, bei denen es zuvor vielleicht schon acht Verwarnungen gegeben hat, wäre bei einem solchen Einsatz auch glatt Rot vertretbar gewesen.

Diese Karte erhält Teamkollege Maxi Pereira mit Recht nach seiner Frust-Sense an der Eckfahne gegen Costa Ricas Joel Campbell. Ruhig und souverän beruhigt Felix Brych gemeinsam mit Assistent Mark Borsch erst einmal das Spielerrudel und zeigt dann Pereira den roten Karton. Fazit: Die zweite deutsche Nationalmannschaft, unser Schiedsrichter-Trio in Brasilien, zeigt in einem schwierigen Spiel eine gute WM-Premiere und wird sicherlich noch mindestens einmal zum Einsatz kommen.

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